Photo: Konstanze Meindl
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Fortgeschrittenen-Klasse 25/26

“Was mir am meisten an deinem Unterricht gefallen hat ist, dass er vor allem diese ganze “Mystik”, die ja die Kunst umgibt, zerlegt/gebrochen hast.”
“Was ich gelernt habe: Eigenständig zu arbeiten.”

Dieser anspruchsvolle Kurs ist für Leute, die bereits schauspielerisches Vorwissen mitbringen, und es in einer neuen Etappe auf dem weiten Weg zur Meisterschaft deutlich, ambitioniert und reflektiert vertiefen wollen. Er ist ausdrücklich nicht für Leute geeignet, die nach schnellen Lösungen und Abkürzungen suchen. Das Curriculum ist eine Weiterentwicklung des Curriculums der Advanced Class 23/24, das Ziel ist künstlerische Mündigkeit. Der Kurs schließt mit mindestens drei öffentlichen Aufführungen einer gemeinsam erarbeiteten Inszenierung von William Shakespeares “Ein Sommernachtstraum” ab.

Im Zentrum des Kurses steht Edward Gordon Craigs poetischer Entwurf der “Über-Marionette”, eines fiktiven idealen Schauspielers, der sich im künstlerischen Schaffen im Dienste am Gesamtkunstwerk nie mit den eigenen Unzulänglichkeiten selbst im Weg stünde. Gordon Craig brachte das auf eine einfache Fomel: “Die Übermarionette ist der Schauspieler plus Feuer minus Egoismus”. Im Kurs  machen wir uns ganz vergnügt daran, dieses Ideal zu verfolgen, und begegnen so natürlich unweigerlich unseren eigenen, wesentlich lapidareren Bedingtheiten. Wir stellen individuelle Werkzeugkisten zusammen, mit denen wir, in Auseinandersetzung mit der Realität, dem was nun einmal ist, schöpferisch an dem bauen können, was sein könnte. Und auf dem Weg dorthin lernen wir sowohl die Welt als auch uns selbst als Teil der Welt so gut kennen, wie man nur Dinge kennen kann, an die man schon mal angestoßen ist. Wir entwickeln auf diese Art ein Bild von uns selber im Tun, mit dem sich etwas anfangen lässt. Und das Herrliche ist: Wir machen das alles nicht theoretisch, sondern es passiert unmittelbar im theatralen Schaffensprozess, denn im Laufe des Kurses erarbeiten wir uns eine Inszenierung von William Shakespeares “Ein Sommernachtstraum”, die dann mit mindestens drei Vorstellungen öffentlich aufgeführt wird. Während wir unsere Szenen bauen, bauen wir unmerklich uns selbst als fähige Schauspieler, mit fähigem Wahrnehmen, Denken, Fühlen und künstlerischem Handeln und in fähiger künstlerischer Interaktion mit der Welt, der dramatischen Literatur, den Spielpartnern.

Der Kurs ist garantiert frei von schauspielerische Hohlphrasen wie “du warst nicht richtig drin” oder “du musst es mehr wollen”. Stattdessen gibt es funktionierendes modernstes Wissen, als Dialogunterricht, in fortlaufender Zwiesprache zwischen Lehrer und Schülern und in ständiger Überblendung von der Praxis zur Reflexion und zurück.

Der Kurs umfasst mindestens 150 Unterrichtsstunden. Dazu kommen mindestens 150 Stunden eigenständige Arbeitszeit für die Unterrichtsvorbereitung, das Bearbeiten von Aufgaben und das eigenständige Szenenstudium allein oder in der Kleingruppe. Es wird auch gelesen: Shakespeares “Ein Sommernachtstraum”, andere Shakespeare-Quellen, kleine theoretische und theaterphilosophische Texte, sowie kleine Einführungstexte in die dem Schauspiel zugrundeliegenden wissenschaftlichen Felder (Verhaltensbiologie, Evolutionäre Psychologie, Neuro- und Kognitionswissenschaften, nichtspekulative Sozialwissenschaften).

Zum Ziele bestmöglicher individueller Förderung gibt es ein elastisches Curriculum, mit Mindestanforderungen, die alle erfüllen müssen, und darüber hinaus fordernden Aufgaben-Angeboten für alle, die mehr wollen. Im Interesse der Teilnehmer schließt der Kurs mit einem dreistufig benoteten Zertifikat, einer schwer erreichbaren Bestnote, sowie der Möglichkeit, nicht abgeschlossen zu werden, ab. 

Teilnehmer können deutlich ermäßigt an der Freitag-Abend-Klasse und kostenlos am Kurs “Theater als Praktische Philosophie menschlichen Handelns” teilnehmen. 


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